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11.06.2018

Krankenhäuser erwarten größere Probleme

Der neue Krankenhaus Rating Report zeigt, wie es um die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser steht. Die überwiegend positiven Ergebnisse dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass viel Arbeit ansteht, um den Trend fortsetzen zu können.


Grundsätzlich war 2016 ein gutes Jahr für die Kliniken. Nur sieben Prozent der Krankenhäuser lagen im roten Bereich und sind einer erhöhten Insolvenzgefahr ausgesetzt. „Das ist das beste Ergebnis seit zehn Jahren“, urteilt Dr. Sebastian Krolop, Leiter der Abteilung Life Science und Health Care bei Deloitte. Die Zahl der Krankenhäuser hat sich jedoch nicht groß verändert, sie sank um 0,3 Prozent auf 1951. Die Verweildauer der Patienten sank erneut und lag 2017 bei 7,3 Tage. Bei steigender Fallzahl (plus 1,5 Prozent) ermöglicht das ein effizienteres Arbeiten.

 

Festzustellen ist weiterhin: Kommunale Kliniken geht es in der Regel etwas schlechter als den privaten oder freigemeinnützigen. Ostdeutschland schneidet auch in diesem Jahr wieder deutlich besser ab, schwierig ist dagegen die Lage in Niedersachsen, Bremen, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg. Die Ländlichkeit ist grundsätzlich kein Nachteil für die wirtschaftliche Lage. Es sind eher die kleinen Häuser, die Probleme haben und entsprechend häufig im ländlichen Raum zu finden sind. Wirtschaftlich von Vorteil ist zudem die Spezialisierung. Uns diese hat einen weiteren Vorteil: Auch die Patientenzufriedenheit ist höher in spezialisierten Häusern. Problematisch für die Krankenhäuser bleibt die duale Finanzierung. Die Länder kommen ihren Investitionskosten weiterhin nur bedingt nach.

 

„Die Frage ist nun, wie nachhaltig ist diese positive Entwicklung“, meint Krolop. Die Babyboomer-Generation wird älter und wird künftig auf mehr medizinische Hilfe angewiesen sein. Sie stehen einer sinkenden Zahl an erwerbstätigen Menschen gegenüber, die die Krankenkassen zunehmend unter Druck setzen. Krolop befürchtet, dass die Kassen diesen Druck auch an die Krankenhäuser weitergeben. „Wir glauben trotzdem, dass wir da ganz gut gegensteuern können.“ Digitalisierung, Produktivitätssteigerung, Strukturoptimierung – das sind die wesentlichen Stichworte. „Wir brauchen eine nationale Modernisierungsstrategie, wir müssen uns auf Fachkräfte für das Gesundheitswesen konzentrieren, die Notfallversorgung neu ausrichten, die Fördermittellücke beheben und eine sektorenübergreifende Versorgung umsetzen“, sagt Dr. Boris Augurzky, Leiter des RWI-Kompetenzbereichs Gesundheit.

 

Ihre Hausaufgaben für die Politik bündeln die Autoren der Studie in einer Gesundheitsagenda 2025. Sie fordert erstens Antworten auf den zu erwartenden weiter wachsenden Fachkräftemangel. Zweitens sollte das Gesundheitswesen in das digitale Zeitalter überführt werden, unter anderem durch eine standardisierte elektronische Patientenakte, Telemedizin, künstliche Intelligenz und Robotik. Dabei könnte zum Beispiel Robotikassistenz Pflegekräften mehr Zeit für die menschliche Zuwendung ermöglichen. Drittens sollte das Gesundheitswesen durch eine Reform des Gemeinsamen Bundesausschusses offener für Innovationen werden. Viertens sollte die Lücke bei den Investitionsfördermitteln im Krankenhausbereich geschlossen werden, um auf schwierigere Zeiten in den 2020er Jahre vorbereitet zu sein. Fünftens sollte zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit die Notfallversorgung neu ausgerichtet werden, wozu eine effektive Patientensteuerung gehört. Sechstens sollte die Qualitätstransparenz – auch und gerade sektorenübergreifend – konsequent weiter ausgebaut und für die Patienten zum Beispiel über digitale Angebote nutzbar gemacht werden. Siebtens sollte die sektorenübergreifende Versorgung und die Ambulantisierung der Medizin gefördert werden, wozu Adjustierungen am Vergütungssystem erforderlich sind. Empfohlen werden Vergütungsmodelle mit Qualitätszielen, welche die Gesamtverantwortung für die Versorgung einer Region in eine Hand legen. Damit ließe sich eine sektorenübergreifende Versorgung etablieren, die konsequent am Patientennutzen ausgerichtet ist.

 

 

Quelle: sgp


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