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10.09.2019

KBV-Studie stellt TSVG in Frage

Die Wartezeiten auf einen Arzttermin gleichen sich zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung immer weiter an, geht es aus der Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hervor, die am 16. August in Berlin vorgestellt wurde. Diese Entwicklung liegt nicht am Terminservice- und Versorgungsstärkungsgesetz (TSVG).


Die Befragung unter mehr als 6.100 Versicherten habe gezeigt, so Matthias Jung, Forschungsgruppe Wahlen, dass sich die Wartezeiten zwischen gesetzlich und privat Versicherten langsam angleichen würden, weil zunehmend Privatversicherte länger auf einen Termin warten müssten. Der Anteil der Patienten, die länger als drei Wochen auf einen Termin warten mussten, sei in allen Versichertengruppen in den vergangenen Jahren am stärksten gestiegen. 29 Prozent der gesetzlich und 30 Prozent der privat Versicherten mussten bei ihrem Arztbesuch 2018 jedoch gar keine Wartezeit in Kauf nehmen.

 

Der Effekt des Terminservice- und Versorgungsstärkungsgesetz (TSVG) ist durch den Befragungszeitraum Mitte März 2019 bis Ende April 2019 noch nicht in den Ergebnissen abgebildet. Einem Fünftel der Versicherten habe die Wartezeit auf einen Termin zu lange gedauert. Hier ist die Bewertung der Versicherten seit Jahren konstant. Bei den Hausärzten sei die Wartezeit signifikant geringer als bei den Fachärzten. Bei Letzteren müsse fast jeder Dritte über 3 Wochen auf einen Termin warten. Dies sei eine Folge der immer knapperen Arztzeit, führte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, aus. „Die Unterschiede bei den Wartezeiten waren nie gravierend und werden immer kleiner. Wir haben nicht um das TSVG gebeten“, so Gassen. Der KBV-Vorstandschef verwies auf die Herausforderung der Patientensteuerung. In der Medizin müsse nach Dringlichkeit behandelt werden und da könne die Entscheidung nicht auf der Patientenseite liegen. Die Versicherten schätzten ihren letzten Arztbesuch vermehrt als dringlich ein (66 Prozent). Den letzten Besuch in der Notaufnahme – 20 Prozent suchten diese 2018 auf - sahen sogar 87 Prozent als sehr zwingend an. „Hier sieht man die subjektive Wahrnehmung. Alle objektiven Untersuchungen zeigen etwas anderes“, so Gassen. Dass viele Patienten am Wochenende eher ins Krankenhaus gehen, könne laut Gassen daran liegen, dass viele Menschen noch immer nicht wissen würden, dass es einen ärztlichen Bereitschaftsdienst gibt. Die Bekanntheit der Rufnummer 116117 steige aber langsam. 2018 wurde die Nummer des Bereitschaftsdienstes rund sieben Millionen Mal gewählt. Eine anstehende große Werbekampagne solle die Bekanntheit weiter steigern, um so auch die Notaufnahmen zu entlasten.

 

Statt 22 Prozent in 2017 glauben inzwischen 27 Prozent der Befragten, dass in ihrer Wohnortnähe nicht mehr ausreichend Hausärzte vorhanden sind. Bei den Fachärzten ist der Anteil nur um ein Prozent von 43 auf 44 Prozent gestiegen. „Es gibt keinen gesellschaftlichen Konsens darüber, was wohnortsnah ist. Dazu gibt es in der Stadt und auf dem Land gänzlich unterschiedliche Auffassungen. Die wohnortsnahe Versorgung ist eine große Herausforderung im hausärztlichen Bereich. Der negative Trend bei der Anzahl der Hausärzte ist vorerst gestoppt“, so Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV. Durch vermehrte Angestelltenverhältnisse und Teilzeitarbeit brauche es dennoch deutlich mehr Hausärzte und Medizinstudienplätze.

 

„Mit der Zahl der Praxen – minus 14,3 Prozent von 2007 bis 2017 - sinkt die Zahl der Standorte. Die Standortkonsolidierung durch Medizinische Versorgungszentren führt zu Zentralisierung. MVZs werden nicht dort hingesetzt, wo große Versorgungslöcher sind“, so Hofmeister. Weil die große Ruhestandswelle der jetzigen Praxisinhaber noch bevorstehe und im hausärztlichen Bereich die Zahl der Niederlassungen um acht Prozent zwischen 2007 und 2017 gesunken sei, müsse die Zeit der verbleibenden Ärzte so effizient wie möglich genutzt werden, so der KBV-Vize.

 

„Die Digitalisierung wird von den Versicherten nur dort geschätzt, wo sie hilft, die Abläufe zu vereinfachen“, so Dr. Thomas Kriedel, dritter Vorstand der KBV. Dies sei zum Beispiel die Terminvergabe im Internet. Für die KBV sei die Skepsis gegenüber der Videosprechstunde überraschend gewesen: 62 Prozent würden diese für sich selbst ablehnen, zitierte Kriedel die Umfrageergebnisse. Auch in der jüngsten Alterskohorte, bei den 18- bis 29-Jährigen, will etwas mehr als die Hälfte der Befragten das Angebot nicht nutzen. Der persönliche Kontakt zu Arzt werde noch immer bevorzugt. Einen kleinen Sogeffekt, der zu mehr Akzeptanz führt, könne es geben, wenn mehr Ärzte die Videosprechstunde künftig anbieten.

 

Quelle:  sgp


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