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25.05.2020

Impfstoff oder Therapie - wann dürfen wir auf Ergebnisse hoffen?

Wie der Vize-Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Prof. Dr. Lars Schaade, bereits im April erklärte, sei eine Rückkehr zur Normalität ohne einen Impfstoff nicht möglich. Weltweit verfolgen Forscherinnen und Forscher nun unterschiedliche Ansätze, um in naher Zukunft nicht nur eine effektive Therapie, sondern auch einen wirksamen Impfstoff ausfindig zu machen. Ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand bezüglich der Therapie- und Impfstoffentwicklung.


·       Corona-Virus: Therapie- und Impfstoffentwicklung

 

Am vergangenen Mittwoch traf der Bund die Entscheidung, jene Verantwortung hinsichtlich etwaiger Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus auf die Länder zu übertragen. In vielen Bundesländern wird nun das öffentliche Leben unter strengen Auflagen schrittweise hochgefahren. Doch unter diesem „zweiten großen Öffnungsschritt“, wie der Bund diese Entwicklung nannte, ist keine Rückkehr zur Normalität zu verstehen. Die kann man voraussichtlich erst erwarten, sobald ein geeigneter Impfstoff verfügbar ist.

 

·       Stammzellen aus Nabelschnurgewebe: Ein neuer Behandlungsansatz

 

Nachdem es in China gelungen war, eine schwere, infolge des Corona-Virus entstandene Lungenentzündung mit Hilfe von Stammzellen aus Nabelschnurgewebe zu heilen, führen Ärztinnen und Ärzte weltweit nun Patientenstudien durch, um die Sicherheit und Wirksamkeit dieses neuen Behandlungsansatzes zu untersuchen. Aus einem Fachartikel US-amerikanischer Forscher geht hervor, dass die Anwendung der Stammzellen bisherigen Erkenntnissen zufolge sicher und wirksam erscheine und insbesondere für schwere Infektionsverläufe eine kurzfristig umsetzbare Lösung darstelle.

Stammzellen besitzen die besondere Fähigkeit, Entzündungsherde im menschlichen Körper zu erkennen, sich über die Blutbahnen gezielt zu ihnen zu bewegen und dort verschiedene zu Signalmoleküle freizusetzen, die letztlich Regenerationsprozesse initiieren. Sie dämpfen demnach heftige Immunreaktionen, die unter anderem bei schweren Verläufen des Corona-Virus auftreten. Während sich eine chinesische Patientenstudie auf die Unbedenklichkeit des Einsatzes von Stammzellen fokussiert und mit ersten Ergebnissen bereits im Dezember diesen Jahres rechnet, konzentrieren sich Ärztinnen und Ärzte in Frankreich gänzlich auf die Wirksamkeit, über die nach eigenen Angaben vermutlich erst im Mai des kommenden Jahres konkrete Aussagen getroffen werden könne.

Der Vorstand von Vita 34, Dr. Wolfgang Knirsch, bezeichnet die kürzlich gestarteten Studien als vielversprechend. Nach ersten Erfolgen seien sie ein bedeutsamer Schritt für die weitere Verifizierung therapeutischer Einsatzmöglichkeiten von Stammzellen aus Nabelschnurgewebe. Je schneller eine breite Datenlage zur Wirksamkeit dieses Therapieansatzes bei schwer verlaufenden Corona-Infektionen zur Verfügung stehe, desto zielgerichteter könne das medizinische Potential zur Behandlung von Patientinnen und Patienten genutzt werden, erklärt Knirsch weiter.

 

·       Fortschritte in der Erforschung von Remdesivir

 

Nachdem eine klinische Studie gezeigt hatte, dass das Medikament Remdesivir die Zeit bis zu einer Genesung bei Corona-Patienten um mehrere Tage verkürzen könne, wurde ein internationales Konsortium zur Erforschung des Medikaments gegründet. Der Leiter der Infektiologie am Universitätskliniku Köln, Prof. Dr. Gerd Fätkenheuer, leitet den deutschen Teil der Studie und erklärte in einem Interview mit der Tageszeitung Kölner Stadt-Anzeiger, dass sich die Studie zum Medikament Remdesivir, welches ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt worden war, „in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium“ befinden würde.

Im April hatte der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) empfohlen, wie das Medikament im Rahmen des Compassionate Use eingesetzt werden könne. Das Konzept des Compassionate Use soll Patientinnen und Patienten mit einer lebensbedrohlichen oder schwerwiegenden Erkrankung, für die keine Behandlungsoptionen verfügbar sind, den Zugang zu einer noch in der Entwicklung stehenden und noch nicht zugelassenen Arzneimitteltherapie verschaffen. Aufgrund eines vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BdArM) akkreditierten Arzneimittel-Härtefallprogrammes ist Remdesivir für Patientinnen und Patienten, die jene Auflagen des Programmes erfüllen, auch in Deutschland für verfügbar.

 

·       47D11: Der erste monoklonale Antikörper erweist sich als wirksam

 

Laut einer am vergangenen Montag im Fachmagazin Nature veröffentlichten Studie, ist es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gelungen, einen humanisierten monoklonalen Antikörper zu entwickeln, der das das Corona-Virus in Zellkulturen binden und neutralisieren könne. Derartige Antikörper sind in der Lage, den Infektionsverlauf im infizierten Wirt zu verändern, die Abwehr des Virus zu unterstützen oder einen nicht infizierten, dem Virus ausgesetzten Wirt zu schützen. Der Stoff richtet sich gegen ein bestimmtes Epitop in der Kernstruktur der rezeptorbindenden Areale der Spike-Proteine von Sars-CoV-2. Als Epitopen werden Molekülabschnitte eines Antigens, die eine gezielte Immunreaktion auslösen können, bezeichnet.

Bisher handelt es sich ausschließlich um laborexperimentelle Erkenntnisse, die noch nicht durch Studien an Tieren oder Menschen überprüft wurden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass der Antikörper nicht nur der Entwicklung neuer Testverfahren für die Antigen-Erkennung in der Labordiagnostik dienen, sondern auch isoliert oder in Kombination mit anderen Arzneistoffen gegen das Corona-Virus eingesetzt werden könne.

Doch dies ist nur eines der nach Angaben des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) 115 Covid-19-Impfstoffprojekte weltweit, von denen sieben im deutschsprachigen Raum angemeldet wurden. Eines der sieben Projekte, welches von dem deutschen Biotechnologie-Unternehmen BioNTech und dem internationalen Pharmakonzern Pfizer geleitet wird, hat bereits mit der Erprobung an Freiwilligen begonnen. Auch das deutsche, biopharmazeutische Unternehmen CureVac gab an, im Juni die Erprobung aufnehmen zu wollen.

 

·       Gehring fordert internationale und solidarische Zusammenarbeit

 

Nachdem die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, nach Angaben des Sprechers für Forschung, Wissenschaft und Hochschule, Kai Gehring, viel zu lange gezögert habe, unterstütze sie nun die Impfstoffforschung mit mehr Mitteln. In einer Pressemitteilung pointierte Gehring, dass die Wissenschaft samt all ihrer Forscherinnen und Forscher zurzeit mit Hochdruck arbeiten würde, um der Menschheit sowie der globalen Gemeinschaft einen Weg aus der Corona-Krise zu bahnen. Deswegen sei unabdingbar, ihnen die notwendigen Fördermittel schnell und unbürokratisch zukommen zu lassen. Weil die Dauer der Impfstoffforschung und -Entwicklung über das Ausmaß der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Konsequenzen der Pandemie bestimme, dürfe kein aussichtsreiches Forschungsvorhaben zur Pandemiebekämpfung am Geld scheitern, mahnte Gehring. Er fordert nicht nur die regelmäßige Überprüfung des Bedarfs an zusätzlicher Unterstützung, sondern auch eine vorausschauende Ausweitung der Produktionskapazitäten für Impfstoffe innerhalb Deutschlands. Gehring beteuert, dass das Corona-Virus nur durch die internationale und solidarische Zusammenarbeit eingedämmt werden könne und daher sichergestellt werden müsse, dass Fördergelder verantwortungsvoll vergeben und zukünftige Impfstoffe für jeden Menschen verfügbar gestellt werden.

 

·       Corona-Impfstoff: Voraussichtlich verfügbar ab Sommer 2021

 

Die Schätzungen bezüglich des Zeitpunkts, ab dem ein Impfstoff gegen das neuartige Corona-Virus zur Verfügung stehen wird, gehen auseinander. Der US-Regierungsberater und Immunologe, Anthony Fauci, nimmt an, dass es im Idealfall bereits im Januar des nächsten Jahres einen Impfstoff geben werde. Unter der Voraussetzung, dass jedwede Prüfungen optimal verlaufen, erwarten deutsche Forscherinnen und Forscher hingegen, dass ein Impfstoff frühestens im Sommer des nächsten Jahres zur Verfügung stehen könne. Zudem avertierte der deutsche Bundesminister für Gesundheit, Jens Spahn (CDU), bereits, dass dieser vorerst nur beschränkt erhältlich sein werde. Die Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (RKI) würde bereits an Empfehlungen darüber, wer zuerst geimpft werden solle, arbeiten. Prioritär werden diesbezüglich mit hoher Wahrscheinlichkeit die Risikogruppen und das medizinisches Personal sein.

 

·       Kann sogar die Tabakindustrie Nützliches beitragen?

 

Nachdem Raucherinnen und Raucher bisher als besonders gefährdet eingestuft worden waren, sind französische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen der Erforschung des Corona-Virus nun auf eine eventuell schützende Wirkung des Wirkstoffs Nikotin gestoßen. Diese möglicherweise positive Wirkung führen sie auf den geringen Anteil an Rauchern unter den Corona-Infizierten zurück. Prof. Dr. Jean-Pierre Changeux vom Institut Pasteur und dem Collège de France stellte die Hypothese auf, dass der Wirkstoff Nikotin an Zellrezeptoren. die vom Corona-Virus genutzt werden, anhafte und damit die Anhaftung des Virus verhindere. Nach Angaben des Studienleiters und Professors für Innere Medizin, Zahir Amoura, wolle man im Pariser Krankenhaus La Pitié-Salpêtriè sowohl die präventive als auch die therapeutische Wirkung mithilfe von Nikotinpflastern untersuchen, sobald der französische Gesundheitsminister Olivier Véran eine solche Studie genehmige.

 

Neben dem möglichen Potential des Wirkstoffs Nikotin, könnte die Tabakpflanze außerdem zur Impfstofffertigung beitragen. Im Auftrag der Konzerntochter des Tabakunternehmens British American Tobacco, Kentucky BioProcessing, soll es Wissenschaftlern gelungen sein, einen Teil der genetischen Sequenz des Corona-Virus zu replizieren und in den Tabakpflanzen zu reproduzieren. Obwohl es die Tabakkonzerne im Jahr 2015 während der Ebola-Krise Afrikas nicht schafften, einen Impfstoff gegen das Ebola-Fieber aus Pflanzen zu generieren, vermuten Experten, dass die pflanzliche Alternative effektiver als die herkömmliche Vorgehensweise der Impfstoffproduktion sein könne. Schon in weniger als einem Monat wolle der Konzern nach eigenen Angaben mit der Impfstofffertigung beginnen, weshalb die Vermehrung der Antigene in den Pflanzen nun effektiv und reibungslos voranschreiten müsse.

 

Quelle:  sgp


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