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13.03.2020

Gesundheitsmarkt bald in Investorenhand?

Ärzteschaft und Politik sehen ein wachsendes Engagement von Kapitalgesellschaften mit Sorge. Immer mehr Arztsitze werden von Investoren aus reinem Renditeinteresse aufgekauft. Jetzt plant der Gesundheitsausschuss eine Anhörung zu dem Thema, um gesetzliche Regelungen zu treffen.


Seit Monaten kocht in der Gesundheitspolitik das Thema Kapitalgesellschaften im Gesundheitsmarkt hoch. Um den Kauf von Arztsitzen gibt es je nach Fachspezifikation einen heißen Wettbewerb. Medizinische Versorgungszentren scheinen  gerade für Klinikkonzerne ein praktischer Weg zu sein, um nicht nur Zuweiserportale zu schaffen, sondern vor allen auch Marktanteile in der ambulanten Versorgung zu sichern. In den meisten KV-Bezirken soll der Anteil klinikgeführter MVZ noch unter 25 Prozent liegen. Im Osten allerdings sieht das anders aus: in Thüringen sind nicht einmal ein Fünftel der MVZ noch in vertragsärztlicher Trägerschaft.

 

Das große Missverständnis in der politischen Diskussion  um MVZ und Versorgungseinrichtungen in der Hand von Kapitalgesellschaften liegt darin, dass seitens der Ärzteschaft MVZ im Grunde genommen gar nicht so kritisch gesehen werden. Im Gegenteil: Viele junge Mediziner bevorzugen inzwischen zunächst ein Angestelltenverhältnis. Insbesondere der Anteil von Frauen in der Medizin (mittlerweile bei Approbationen bei fast 70 Prozent) sorgt für andere Lebensentwürfe, als früh in die Selbständigkeit als Vertragsarzt zu gehen. Probleme hat die Ärzteschaft allerding mit reinen Investoren, noch dazu wenn diese ihre Erträge im Ausland versteuern. Ein Trend der inzwischen auch im Bundestag mit Besorgnis gesehen wird. Anfang März plant der Gesundheitsausschuss deshalb ein Anhörung zum Thema um anschließend gesetzgeberische Maßnahmen einzuleiten.

 

Die Besorgnis der Mediziner: Der Umsatzdruck durch Investoren-getragene Kapitalgesellschaften sorgt dafür, dass nicht notwendige medizinische Behandlungen forciert werden oder aber Versorgung nur auf dem geringsten Level stattfindet und teilweise nicht mehr patientengerecht ist. Besonders dramatisch sieht die Situation offenbar bei Nierenzentren aus. In Deutschland gibt es ganze Regionen, in denen es nur noch Konzerngeführte Zentren gibt, beispielsweise in hohen Norden. Wie bei den Nephrologen, die in hohem Maße mit teuren Geräten oder Materialien arbeiten, sieht es auch bei Radiologen aus. Aber auch Augenarztpraxen stehen oben auf der Einkaufsliste von Investoren. Besonders beklagen sich aktuell Deutschlands Zahnärzte über außergewöhnliches Interesse an Aufkauf ihrer Arztsitze durch Investoren. KVen verlieren durch die Zunahme an Ärzten in Anstellung nicht nur mehr und mehr ihre Steuerungsfunktion durch die fachspezifische Nachbesetzung wichtiger Arztsitze. Sie sehen auch generell ihren Sicherstellungsauftrag gefährdet, wenn die Zahl der freiberuflich tätigen Ärzte weiterhin stark abnimmt. In der KV Sachsen stehen bereits jetzt 20 bis 30 Prozent der Arztsitze nicht mehr für freiberufliche Tätigkeit offen. Das hat zweifelsohne erhebliche Auswirkungen auf die Bedarfsplanung sowie auf die Bereitschaft, sich in weniger interessanten Feldern wie der Rheumatologie niederzulassen.

 

Bereits vor einigen Monaten hatte die Linken im Bundestag mehr Transparenz beim Verkauf von Versorgungseinrichtungen, vor allem an Private-Equity-Fonds, gefordert. Es solle durch die KVen halbjährlich eine Liste aller vertragsärztlich tätigen MVZ vorgelegt werden, die Beteiligung von Finanzinvestoren solle künftig einer Meldepflicht unterliegen. Ziel sei die Sicherstellung von Qualität und die Steuerbarkeit der vertragsärztlichen Versorgung um eine Anbieterdominanz und später nahezu monopolistische Strukturen zu verhindern.

 

Quelle:  BMG


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