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27.08.2018

Gehirnerschütterungen schnell feststellen

Wenn nach einem Sturz der Verdacht auf eine leichte Gehirnerschütterung besteht, ist eine ärztliche Abklärung unabdingbar. Ein Forscherteam hat ein transportables und schnelles Diagnoseverfahren auf der Grundlage einer Blutprobe entwickelt.


Wenn Menschen auf den Kopf stürzen, leiden sie mitunter an Benommenheit, Erbrechen oder vorübergehendem Verlust des Bewusstseins. Hier muss eine Arzt abklären, ob eine leichte Gehirnerschütterung (mild traumatic brain injury/mTBI) mit einer behandlungsbedürftigen Verletzung des Gehirns vorliegt. In solchen Fällen werden die verunfallten Personen für eine Beobachtung des Zustands vorübergehend hospitalisiert, und mitunter wird auch eine Computertomographie des Gehirns angefertigt. Diese relativ aufwändigen und zeitintensiven Abklärungen könnten künftig durch ein neues Diagnoseverfahren vermieden werden, das Forscher der Universität Genf mit spanischen Kollegen entwickelt haben.

Protein H-FABP

Das neue Verfahren braucht nicht mehr als einen Tropfen Blut. In dem Blut wird dann die Menge des Proteins H-FABP bestimmt. Dieser Stoff gelangt bei einer Verletzung der Hirnzellen ins Blut und kann dort durch den neuen Test in seiner Menge nachgewiesen werden. Bei jenen Patientinnen und Patienten, bei denen der Test keinen erhöhten Proteinwert anzeigt, kann eine Gehirnverletzung ausgeschlossen werden. So müssen sich nur Personen mit erhöhtem Proteinwert zur definitiven Abklärung einer Computertomographie unterziehen. Auf dem Weg könnten viele letztlich unnötige Tomographien vermieden werden, betonen die an der Entwicklung des Test beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Über das neue Verfahren haben sie kürzlich in der Fachzeitschrift 'PLOS One' berichtet.

 

Ab 2019 für Patienten verfügbar

Das Diagnoseverfahren, das auch für Kinder geeignet ist, wurde in den letzten fünf Jahren entwickelt. Die Firma ABCDx will das Verfahren ab dem nächsten Jahr auf den Markt bringen. ABCDx ist ein Start-up, das von Prof. Jean-Charles Sanchez (Medizinische Fakultät der Universität Genf) und Prof. Joan Montaner (Vall d’Hebron Hospital in Barcelona) gegründet wurde. Jean-Charles Sanchez sieht verschiedene Vorzüge des neuen Diagnosewerkzeugs: „Unser Diagnosegerät ist handlich und kann auch ausserhalb des Spitals direkt beim Patienten eingesetzt werden. Für die Diagnose genügt zudem ein Tropfen Blut, und es kann nicht nur von Ärzten, sondern auch von jeder anderen medizinischen Fachperson eingesetzt werden und ermöglicht bei vielen Verunfallten zuverlässig und schnell den Ausschluss einer milden Gehirnerschütterung.“

 

Quelle: www.Interpharm.ch, Sybille Augsburger


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