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25.09.2020

Erweiterte Teststrategie gegen Überlastung der Labore

Zwar trat am 15. September die „Zweite Verordnung zur Änderung der Verordnung zum Anspruch auf bestimmte Testungen für den Nachweis des Vorliegens einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2“ in Kraft. Für die Akkreditierten Labore in der Medizin – ALM e.V. bedeutet das jedoch noch keine Zeit zum Durchatmen: „Wir sind froh, dass die Bundesregierung zur ursprünglichen Teststrategie zurückkehrt“, räumt Dr. Michael Müller ein. Bis sich dies auf die Testzahlen in den Laboren niederschlage, werde es allerdings noch dauern.


Langsam aber stetig steige zudem der Bedarf an Diagnostik für andere Infektionen an. „Wir bereiten uns derzeit auf die beginnende Herbst- und Wintersaison mit dem sicher hohen Bedarf an breit angelegter PCR-Diagnostik für akute Atemwegserkrankungen vor“, so der 1. Vorsitzende des fachärztlichen Berufsverbandes.

 

Zwar hätten einige Bundesländer – wie zum Beispiel Bayern – bereits begonnen, ihre Teststrategie anzupassen, teilt der ALM e.V. mit. Doch die aktuellen Zahlen aus der KW 37 zeigen bundesweit ein unvermittelt sehr hohes Testgeschehen, was sicher auch auf die vermehrte Testung von Beschäftigten in Bildungseinrichtungen sowie Schülerinnen und Schülern zurückzuführen ist: So lag die Zahl der SARS-CoV-2-PCR-Tests in der vergangenen Woche mit 1.017.728 Tests erneut auf Rekordniveau. Der Auslastungsgrad der Labore liegt bundesweit bei nahezu 90 Prozent und in vielen Regionen deutlich darüber. Dies führt dazu, dass die Zahl der am Montag noch offenen Befunde, der sogenannte „Rückstau“, mit rund 32.400 Tests um etwa 9 Prozent höher liegt als in der Vorwoche.

 

„Die Teams in der Laboren arbeiten unvermindert am Anschlag, damit alle Proben so schnell wie möglich bearbeitet und die Ergebnisse übermittelt werden können“, so Müller. Dagegen hält sich die Positivrate noch immer bei unter einem Prozent (0,88 Prozent). Laut WHO-Papier vom Mai 2020 gilt die Covid-19-Pandemie dann als unter Kontrolle, wenn zum Beispiel die Positivrate unter 5 Prozent liegt. „Im weltweiten Vergleich sind wir eines der Länder, das die Pandemie mit einer hohen Testquote bislang besonders gut kontrolliert“, stellt Evangelos Kotsopoulos fest.

 

 

Der Vorstand im ALM e.V. rät deshalb eindringlich zur Besonnenheit: „Es ist nachvollziehbar, dass möglichst viele Menschen Klarheit und Sicherheit haben wollen und sich gerade, wenn sie mit vielen Menschen zusammenarbeiten, immer mal wieder testen lassen wollen. Viel wichtiger ist jedoch die konsequente Einhaltung der AHA-Regeln. Auch bringen mehr Tests de facto nicht mehr Sicherheit, denn jeder Test für sich gesehen ist nur eine Momentaufnahme im Augenblick der Abstrichentnahme, besonders dann, wenn keine Symptome vorliegen und auch kein weiterer Anlass für diese Untersuchung besteht“, so Kotsopoulos.

 

Dieser Auffassung ist auch Dr. Andreas Gassen, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV): „Wir brauchen eine deutlich über die Maskenfrage hinausreichende Strategie, um einen erneuten flächendeckenden starken Anstieg von Infektionen zu vermeiden.“ Zu einer derartigen Strategie gehöre mehr „als möglichst vielen Menschen Wattestäbchen in die Nase zu stecken“, sagte Gassen anlässlich der Vertreterversammlung der KBV am vergangenen Freitag. Es müsse wieder mehr anlassbezogen getestet werden. Risikogruppen wie medizinisches Personal seien dabei besonders zu berücksichtigen. Mehr Tests führten zu mehr positiven Ergebnissen. Daraus lasse sich aber nicht automatisch eine erhöhte pandemische Aktivität ableiten.

 

Ein Element der von Gassen postulierten Strategie könnten nach Auffassung der Akkreditierten Labore in der Medizin die neuen, in Kürze für die Versorgung verfügbaren SARS-CoV-2-Antigen-Tests sein. Hinsichtlich ihrer diagnostischen Effizienz würden sie aktuell noch genauer untersucht, sodass sie für eine breite Zielgruppe einsetzbar seien, erläutert Prof. Jan Kramer. Bislang könnten sie, so der ALM-Vorstand und Sprecher der AG Versorgungsforschung, gegebenenfalls bei der Klärung spezifischer und zeitkritischer Fragestellungen hilfreich sein. Für einen Routineeinsatz bedürfe es aber noch einer praktischen Handlungsempfehlung auf Basis der laufenden Evaluation. „Wir hoffen, dass die Antigen-Tests bald auch eine größere Rolle im Rahmen der Gesamtstrategie spielen können“, so der Internist und Facharzt für Laboratoriumsmedizin.

 

 

Auch die Corona-Warn-App der Bundesregierung leiste einen wichtigen Beitrag, die Pandemie in Zaum zu halten. Es seien jedoch noch einige Hausaufgaben zu erledigen, mahnt Dr. Christian Scholz: „Dringend nötig ist eine bessere Aufklärung in den Testzentren und Abstrichstellen, damit die zu Testenden auch ihr Einverständnis in die pseudonymisierte Datenübermittlung geben“, so der ALM-Vorstand und Sprecher der AG IT. „Ohne diese Einwilligung ist das Mittel der digitalen Kontaktverfolgung weitgehend wirkungslos. Insgesamt jedoch funktioniert das Konzept, denn wir erhalten SARS-CoV-2-Aufträge aufgrund der Warnung durch die App, bei denen auch positive Befunde erhoben werden. So erfüllt die App den ihr zugedachten Zweck als ein Mittel zur Aufdeckung von Covid-19-Fällen.“

 

Nach Information des ALM e.V. warten einzelne Labore auch noch immer auf eine plattformunabhängige Anbindung durch die Telekom. „Wir tun gut daran, diese Lücken noch vor dem Herbst zu schließen“, rät Dr. Michael Müller. „Damit wir auch in Zukunft die Pandemie gut überstehen!“

 

Quelle:  sgp


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