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18.09.2019

Barmer-Arzneimittelreport: Impflücken und mehr

Die Barmer hat am 8. August in Berlin ihren Arzneimittelreport 2019 mit Schwerpunkt „Impfen“ vorgestellt. „Die Ergebnisse des Reports machen betroffen“, so Autor Prof. Dr. Daniel Grandt, Klinikum Saarbrücken, zu der neuen Zahlenerhebung.


Mehr als jedes fünfte im Jahr 2015 geborene Kind war in den ersten beiden Lebensjahren nicht oder unvollständig gegen Masern geimpft. Im Jahr 2017 waren damit hochgerechnet auf Basis der Daten von Barmer-Versicherten bundesweit knapp 166.000 Zweijährige ohne vollständigen Masernschutz. Nach Schätzungen der WHO starben 2017 weltweit rund 110.000 Menschen an Masern, darunter vor allem Kinder unter einem Jahr. Zudem war jede fünfte Zweijährige, also knapp 81.000 Mädchen, nicht vollständig gegen Röteln geimpft. 3,3 Prozent der 2015 geborenen Kinder hatten in den ersten beiden Jahren demnach überhaupt keine der 13 Impfungen erhalten, die die STIKO empfiehlt. Das entspricht knapp 26.000 ungeimpften Mädchen und Jungen. Bei den Zweijährigen des Jahrgangs 2015 waren die Impfquoten in Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein vergleichsweise hoch und in Baden-Württemberg, Bayern, Bremen und Thüringen hingegen gering.

 

In Bayern waren auch 5,3 Prozent der Zweijährigen überhaupt nicht geimpft, während dies in Brandenburg nur auf 2,2 Prozent der Kleinkinder zutraf. Die regionalen Unterschiede ließen sich nicht mit den erhobenen Daten nicht erklären, führte Grandt aus. Der regionalspezifische Nachholbedarf sei aber enorm. „Solche Impfquoten machen die Ausrottung bestimmter Infektionskrankheiten unmöglich“, kritisierte Straub. Auch bei den Kindern im einschulungsfähigen Alter wurde bei keiner der 13 wichtigsten Infektionskrankheiten ein Durchimpfungsgrad von 90 Prozent im Jahr 2017 erreicht. Für eine ausreichende Herdenimmunität, die auch nicht geimpften Personen Schutz bietet, wäre eine Immunisierungsrate von mindestens 95 Prozent erforderlich, sind sich Experten einig.

 

Laut Report hatten im Jahr 2017 nur 88,8 Prozent der Sechsjährigen in Deutschland den empfohlenen Masern-Impfschutz. Die Immunisierungsraten reichten von 79,7 Prozent in Sachsen bis zu 86,4 Prozent in Baden-Württemberg und 91,0 Prozent in Schleswig-Holstein. „Die Impflücken bei den Sechsjährigen wiegen umso schwerer, da Nachimpfungen nach der Einschulung in fast allen Bundesländern kaum mehr erfolgen, obwohl dies die STIKO etwa für Masern und Röteln bis zum 17. Lebensjahr vorsieht“, so der Kassenchef. Nur in Sachsen gebe es besondere Impfempfehlungen. Auch im Erwachsenenalter sind die Impflücken groß: Studien zufolge sollen nur 64 Prozent der 24- bis 30-Jährigen und 32 Prozent der 31- bis 42-Jährigen vollständig gegen Masern geimpft sein.

 

Weitere Daten aus dem Barmer-Arzneimittelreport 2019:

 

-  Arzneimittelausgaben

Im Jahr 2018 wurden für Versicherte der Barmer 5,68 Milliarden Euro für Arzneimittel inklusive Rezepturen aufgewendet. Das entspricht einer Steigerung um insgesamt 207 Millionen Euro, beziehungsweise 7,55 Prozent pro Barmer-Versicherten gegenüber 2017. Von 2016 auf 2017 waren die Ausgaben nur um 4 Prozent gestiegen.

 

-  Konzentrationseffekt

Für rund ein Prozent der Versicherten werden 40 Prozent der Arznei-mittelausgaben aufgewendet. Eine Ursache: Während im Jahr 2013 sieben von 10.000 mit onkologischen Arzneimitteln behandelten Patienten die Schwelle von 100.000 Euro an Arzneimittelkosten im Jahr überschritten, waren es im Jahr 2017 bereits 32 von 10.000 und im Jahr 2018 schon 42 von 10.000 Behandelten.

 

-  Arzneimittelverordnungen

Der Vergleich des Jahres 2018 mit dem Jahr 2014 zeigt, dass die Anzahl verordneter Tagesdosen pro Versicherten bei Frauen um zehn Prozent und bei Männern um elf Prozent gestiegen ist. Die Analysen zeigen auch eine immer intensivere Behandlung hochaltriger Patienten. Im Jahr 2018 lag die Anzahl verordneter Tagesdosen ab dem 80. Lebensjahr deutlich über den Werten für das Jahr 2014. „Strategien zur Reduktion von Polypharmazie sind in den aktuellen Zahlen noch nicht zu erkennen“, so Grandt.

 

-  Regionale Ausgabenunterschiede

Der Anteil von Versicherten der Barmer, denen im Jahr 2018 Arzneimittel verordnet wurden, variierte von 74,3 Prozent in Berlin bis zu 82,7 Prozent in Sachsen-Anhalt. Die Anzahl der einem Versicherten mit Arzneitherapie durchschnittlich verordneten Tagesdosen variierte von 531 in Bremen bis zu 786 in Sachsen. Das ist ein Unterschied von fast 50 Prozent, der durch unterschiedliche Morbidität sicher nicht zu erklären ist. Korrigiert man die Analysen für Effekte regionaler Alters- und Geschlechtsunterschiede, zeigt sich, dass die Arzneimittelausgaben pro Versicherten in Sachsen-Anhalt 54 Prozent über denen in Bremen liegen.

 

Quelle: sgp


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