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06.07.2020

Analyse: Arzneimittelmarkt 2019

Die vom BAH herausgegebene Broschüre „Der Arzneimittelmarkt in Deutschland 2019“ gibt einen Überblick über die Entwicklung in der Arzneimittelversorgung, bei der die GKV im Mittelpunkt des Interesses steht. Die wichtigste Botschaft: Die Ausgaben für die Arzneimittelversorgung haben keinen Kostenschub und schon gar keine Kostenexplosion verursacht. Ihr Anteil an den GKV-Gesamtausgaben (16,3 Prozent) hat sich gegenüber 2018 (16,2 Prozent) praktisch nicht verändert.


Die stetig gestiegenen Kosten patentgeschützter Produkte sind also durch die Zunahme der beitragspflichtigen Einnahmen, die der brummenden Konjunktur der letzten Jahre geschuldet ist, die Markt- und Versorgungsrelevanz von Generika und Biosimilars sowie die Steuerungsinstrumente in der Arzneimittelversorgung kompensiert worden. Im Moment spricht aber zumindest vieles dafür, dass die „goldene Ära“ des anhaltenden Wirtschaftswachstums und der damit verbundenen stabilen Beschäftigungssituation zumindest für geraume Zeit beendet ist – Stichwort: weltweiter Wirtschaftseinbruch wegen COVID 19. Folge: 2021 stehen aller Voraussicht nach Beitragserhöhungen ins Haus.

 

Apothekenmarkt insgesamt

2019 ist der Umsatz im Apothekenmarkt zum Apothekenverkaufspreis um 5,3 Prozent auf 58,8 Mrd. Euro gewachsen. Davon entfielen 51,7 Mrd. Euro (Marktanteil: 87,9 Prozent) auf verschreibungspflichtige und 7 Mrd. Euro auf rezeptfreie Arzneimittel. Das entspricht Steigerungsraten von 5,9 Prozent bzw. 1,4 Prozent. Demgegenüber hat der Absatz lediglich um 0,5 Prozent auf 1,5 Mrd. Packungen zugenommen. Dieser moderate Zuwachs ist einerseits dem flachen Anstieg der Packungszahlen im Rx-Markt um 1,1 Prozent auf 752 Mio. Packungen und andererseits dem leichten Rückgang im OTC-/OTx-Segment geschuldet, in dem 751 Packungen und damit 1 Mio. Packungen weniger als 2018 abgegeben wurden.

 

Von 2015 bis 2019 ist der Umsatz im Rx-Markt von 43,8 Mrd. Euro auf 51,7 Mrd. Euro (18 Prozent) gestiegen, im selben Zeitraum wuchs der Umsatz im OTC-Markt von 6,4 Mio. auf 7 Mrd. Euro (9,4 Prozent). Der Absatz der verschreibungspflichtigen Medikamente nahm von 2010 bis 2019 von 734 Mio. Packungen auf 752 Mio. Packungen (2,5 Prozent) zu; um 2,2 Prozent wuchs der Absatz verschreibungsfreier Präparate von 735 Mio. auf 751 Mio. Packungen. 2019 verschrieben die Ärzte insgesamt 910 Mio. Packungen Rx- und OTX-Arzneimittel.

 

GKV-Markt

Der GKV-Umsatz belief sich auf ca. 46 Mrd. Euro (brutto). Das entspricht einer Steigerungsrate von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit 31,5 Mrd. Euro entfiel der Löwenanteil (68,5 Prozent) der GKV-Arzneimittelausgaben erneut auf patentgeschützte und patentfreie Originalprodukte. Für Generika wandte die GKV 12,9 Mrd. Euro (Marktanteil: 28 Prozent) sowie für Biosimilars 1,6 Mrd. Euro (Marktanteil: 3,5 Prozent) ihrer Arzneimittelkosten auf. Die Nettoausgaben der Krankenkassen lagen mit 35,9 Mrd. Euro allerdings um rund 11 Mrd. Euro (22 Prozent) unter den Bruttokosten. Entlastet wurde die GKV durch Herstellerabschläge von 1,7 Mrd. Euro, Apothekenabschläge von 1,1 Mrd. Euro und Zuzahlungen der Versicherten von 2,3 Mrd. Euro. Die höchsten Einsparungen (4,9 Mrd. Euro) gingen auf das Konto der Rabattverträge. Seit 2008 hat die GKV unter dem Strich durch Rabattverträge 33,7 Mrd. Euro eingespart. Die Erstattungsbeträge entlasteten die GKV um weitere 3,2 Mrd. Euro, wobei dieser Posten allerdings nicht in die Berechnung der Brutto-/Nettoausgaben eingeht. In die Kassen der pharmazeutischen Unternehmer flossen 30,7 Mrd. Euro, das waren 5,9 Prozent mehr als 2018.

 

An GKV-Versicherte haben die Apotheken 709 Mio. Packungen abgegeben. Nach Absatz dominierten mit 509 Mio. Packungen (Marktanteil: 71,8 Prozent) die Generika. Auf Platz 2 lagen die Originalmedikamente mit 198 Mio. Packungen (Marktanteil: 27,9 Prozent), gefolgt von den Biosimilars mit 2,2 Mio. Packungen (Marktanteil: 0,3 Prozent). Auf DDD-Basis hat der Generikaanteil sogar das neue Allzeithoch von 81 Prozent erreicht. Im GKV-Markt sind vier von fünf abgegebenen Medikamenten also Generika. Allein diese Relation unterstreicht einmal mehr, dass die preisgünstigen, ihren Referenzarzneimitteln therapeutisch gleichwertigen Generika in Deutschland das Rückgrat einer modernen und hochwertigen Arzneimittelversorgung bilden.

Im Jahr 2019 belief sich der GKV-Umsatz mit unter Rabattvertrag stehenden Arzneimitteln auf 19 Mrd. Euro, davon entfielen 10 Mrd. Euro (Marktanteil: 52,6 Prozent) bei einer Steigerungsrate von11,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf Originalprodukte. Der Absatz der Rabattarzneimittel betrug 419 Mio. Packungen, von denen 379 Mio. (Marktanteil: 90,5 Prozent) Generika waren. Dieses Verhältnis spricht dafür, dass Generika die rabattbedingten Einsparungen nach wie vor weit überwiegend finanzieren. Der Umsatz mit festbetragsgeregelten Medikamenten, für die vielfach zudem Rabatte gewährt wurden, betrug unter Berücksichtigung der Generika- und Apothekenabschläge 13,1 Mrd. Euro. Im Festbetragsmarkt wurden 542 Mio. Packungen abgegeben, damit umfasste dieses Marktsegment 76 Prozent der Packungen, schlug aber nur mit 31 Prozent der GKV-Arzneimittelausgaben zu Buche. Der Umsatz im Importmarkt betrug 3,5 Mrd. Euro (Marktanteil: 7,6 Prozent), der Absatz belief sich auf 20 Mio. Packungen (Marktanteil: 2,9 Prozent). Der Umsatz mit Arzneimitteln, für die ein Erstattungsbetrag galt, erreichte 10,4 Mrd. Euro (Marktanteil: 22,6 Prozent), der Absatz belief sich auf 20 Mio. Packungen (Marktanteil: 2,9 Prozent).

 

PKV-Markt

Der Arzneimittelumsatz in diesem Marktsegment belief sich auf knapp 8,6 Mrd. Euro, der Absatz auf 200 Mio. Packungen. Auch im PKV-Markt entfiel der Großteil des Umsatzes mit 6,3 Mrd. Euro (Marktanteil: 73 Prozent) auf Originalprodukte; demgegenüber erreichten Generika einen Umsatz von 2,1 Mrd. Euro (Marktanteil: 24,4 Prozent) und Biosimilars einen Umsatz von 111 Mio. Euro (Marktanteil: 1,3 Prozent).

Der Umsatz mit Festbetragsarzneimitteln belief sich auf 2,5 Mrd. Euro, derjenige mit Importen auf 714 Mio. Euro und derjenige mit Erstattungsbetragsarzneimitteln auf 1,4 Mrd. Euro.

Anders als im GKV-Markt nahmen die Originalprodukte auch nach Absatz den Spitzenplatz ein. Von ihnen wurden 101 Mio. Packungen (Marktanteil: 50,5 Prozent) abgegeben, während die Generika mit 99 Mio. Packungen (Marktanteil: 49,5 Prozent) nur 2. Sieger waren. Der Biosimilarabsatz war mit 0,2 Mio. Packungen (Marktanteil: 0,1 Prozent) marginal.

An PKV-Versicherte abgegeben wurden 110 Mio. Packungen Festbetragsarzneimittel, 7 Mio. Importe und 3 Mio. Erstattungsbetragsarzneimittel.

Entlastet wurde die PKV durch Herstellerabschläge in Höhe von 341 Mio. Euro, hinzu kommen 439 Mio. Euro, die durch Erstattungsbeträge eingespart wurden.

 

Quelle:  sgp


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