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29.03.2019

Noch immer kein klares ePA-Konzept

Die elektronische Patientenakte (ePA) ist inzwischen wohl die führende gesundheitspolitische Dauerbaustelle. Unterschiedliche Vorstellungen und Ansprüche zwischen der gematik, der Industrie und den zukünftigen Nutzern prägen immer noch die bereits seit Jahren andauernde Diskussion.


Der Gesetzgeber sieht mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) vor, dass gesetzliche Krankenversicherungen ihren Patienten bis spätestens 1. Januar 2021 eine gematik-zertifizierte, sektorenübergreifende elektronische Patientenakte anbieten müssen. Eingebettet ist dies in den bestehenden Rechtsrahmen für die Telematikinfrastruktur (§ 291a SGV V). Damit die Umsetzung gelingt hat die gematik in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit (BfDI) gemäß gesetzlicher Frist die ePA-Spezifikation erarbeitet und veröffentlicht. Diese fand allerdings in der Industrie wenig Anklang. „In ihrer momentanen Ausgestaltung hilft die ePA weder Patienten noch Leistungserbringern wirklich, da sie lediglich ein Speichermedium für Dokumente darstellt. Ziel muss es sein, dass in der Arztpraxis datenbasiert gearbeitet werden kann und nicht hunderte PDF gelesen werden müssen. Die Spezifikation hat dadurch einen eng begrenzten Anwendungsfall und das erschwert es, nutzenstiftende Anwendungen zu entwickeln“, meint Sebastian Zilch, Geschäftsführer des Bundesverbands Gesundheits-IT (bvitg). IHE-Profile (Integrating the Healthcare Enterprise (IHE) ist eine Initiative von Anwendern und Herstellern mit dem Ziel, den Datenaustausch zwischen IT-Systemen im Gesundheitswesen zu standardisieren) seien zwar berücksichtigt aber gleichzeitig so verändert worden, dass eine IHE-konforme Verwendung der Akten unmöglich sei. Damit könnten weder bereits bewährte und erprobte Leistungen angeschlossen werden noch die Akten in existierende Krankenhaus-Netze integriert werden.

 

Der Marburger Bund (MB) hält dagegen die gematik-Anforderungen für erfüllbar und sinnvoll. Ihm geht es vor allem um die Datensicherheit. Nur derjenige, der unzweifelhaft die notwendigen funktionalen und sicherheitstechnischen Voraussetzungen erfülle, sei zulassungsberechtigt. Daran dürften keine Abstriche gemacht werden, so der Ärzteverband. Patientenakten würden einen Datenpool schaffen, der Begehrlichkeiten wecke, so Dr. Peter Bobbert, Mitglied im Bundesvorstand des Marburger Bundes. Dabei äußerte der Verband Bedenken über die unterschiedliche Rechtslage in § 68 SGB V (Finanzierung einer persönlichen elektronischen Patientenakte) und § 291a SGB V. Beim § 68 werde das vom MB geforderte „Verwendungs- und Weitergabeverbot von Daten“ nicht beachtet. Es müsse durch entsprechende Vorschriften sichergestellt werden, dass Patienten auch zukünftig vor einer nicht gewollten Weitergabe ihrer gesundheitsrelevanten Daten an Dritte wirksam geschützt seien.

 

Quellen:  sgp, ES


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