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07.05.2018

Hausärztliche Versorgung im Disput

Die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) soll weiterentwickelt werden. Dafür haben der Deutsche Hausärzteverband und die GWQ ServicePlus AG ihren gemeinsamen Vertrag zur HZV um neue Rahmenbedingungen für präventive Leistungen sowie in der Palliativversorgung sowie bezüglich der Delegation nicht ärztlicher Leistungen ergänzt. Die OECD kann hingegen einen Mangel an hausärztlicher Versorgung in Deutschland nicht erkennen.


Der Deutsche Hausärzteverband warnt davor, mit Hilfe zweifelhafter Zahlen die Herausforderungen bei der Sicherung der hausärztlichen Versorgung kleinzureden. „Die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung gehört zu den drängendsten Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen. Diese werden nicht kleiner, wenn man sich die tatsächliche Situation schönredet und die Probleme relativiert,“ sagte Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes.

 

Hintergrund ist, dass die OECD in ihren „OECD Health Statistics 2017“ in Deutschland mit 1,7 general medical practitioners pro 1.000 Einwohnern rechnet. Damit würde Deutschland einen der Spitzenränge in Europa einnehmen. Diese Zahlen sind unter anderem von der Bundesregierung im Rahmen ihrer Antwort auf die kleine Anfrage „Maßnahmen gegen den Landarztmangel“ der FDP-Fraktion verwendet worden. Nicht berücksichtigt wird dabei, dass die OECD unter der Begrifflichkeit general medical practitioner eine Vielzahl an Ärzten subsumiert, die keine Hausärzte sind, beispielsweise Ärzte in Weiterbildung.

 

„Wäre es korrekt, dass in Deutschland 1,7 Allgemeinärzte auf 1.000 Einwohner kommen, dann müssten bundesweit knapp 140.000 Allgemeinmediziner praktizieren. Wir wissen aus der Ärztestatistik, dass das natürlich Quatsch ist. In Wahrheit sind es 44.000 Allgemeinmediziner. Insgesamt arbeiten in Deutschland knapp 55.000 Hausärzte. Es ist bedauerlich, dass nun falsche Zahlen im Umlauf sind. Verschiedene Studien zeigen, dass Deutschland, im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn, bei der Stärkung der hausärztlichen Primärversorgung eher Nachholbedarf hat“, so Weigeldt.

 

Kritik übte Weigeldt auch an den Äußerungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Diese hatte in den vergangenen Tagen betont, dass sie die Versorgung überall gleichermaßen gewährleisten würde. „Auf der einen Seite sagt die KBV vor kurzer Zeit noch, dass bis 2030 bundesweit 10.000 Hausärzte fehlen werden. Auf der anderen Seite klopfen sie sich jetzt selbst auf die Schulter, weil die Patienten es nicht weit bis zum nächsten Hausarzt haben. Das ist natürlich viel zu kurz gesprungen, denn es geht ja nicht nur um die Entfernung bis zur nächsten Praxis, sondern vor allem darum, wie die Hausärzte den immer weiter steigenden Bedarf der Patienten decken können. Die ärztliche Selbstverwaltung wäre gut beraten, allen Beteiligten reinen Wein über die anstehenden Herausforderungen einzuschenken.“

 

Ein weiteres Problem sieht der Deutsche Hausärzteverband in der Tatsache, dass eine bedeutende Zahl der Hausarztsitze von Ärzten besetzt wird, die faktisch nicht als Hausärzte tätig sind. Dies gilt beispielsweise für Ärzte, die seit mehreren Monaten keine Rezepte ausgestellt haben und somit offensichtlich nicht an der hausärztlichen Versorgung teilnehmen. „Wir brauchen eine Lösung für diese Fälle, denn dadurch wird nicht nur die Statistik verfälscht, sondern es werden auch Hausarztsitze blockiert“, so Weigeldt weiter.

 

 

Der Deutsche Hausärzteverband und die GWQ ServicePlus AG haben den gemeinsamen Vertrag zur Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) weiterentwickelt. Die jetzt vorgenommenen Anpassungen verbessern insbesondere die Rahmenbedingungen bei präventiven Leistungen sowie in der Palliativversorgung. Zudem wird die Delegation nichtärztlicher Aufgaben an eine Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH®) gefördert. Der angepasste Vertrag ist ab dem 01. April 2018 vergütungswirksam. Dem bundesweiten Vertrag sind bisher 34 Betriebskrankenkassen und zwei Innungskrankenkassen beigetreten. GWQ ist ein von Betriebskrankenkassen gegründetes Dienstleistungsunternehmen, welches aktuell 67 Aktionärs- und Kundenkassen mit mehr als 12 Millionen Versicherten repräsentiert.

 

„Die medizinische Betreuung am Lebensende ist eine zentrale Aufgabe der Hausärztinnen und Hausärzte. Dabei spielt neben der Behandlung auch die Begleitung der Patienten eine wichtige Rolle. Betroffene und ihre Angehörigen dürfen mit ihren Fragen und Ängsten nicht alleine gelassen werden. Der mit der GWQ weiterentwickelte Vertrag zur Hausarztzentrierten Versorgung verbessert hier die Rahmenbedingungen für die behandelnden Hausärzte, indem Palliativleistungen gezielt gefördert werden,“ sagt Ulrich Weigeldt. Die neuen Leistungen umfassen unter anderem eine Palliativpauschale von 100,00 Euro pro Quartal. Darüber hinaus werden präventive Maßnahmen, wie beispielsweise Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung, durch höhere Zuschläge gefördert.

 

Mit der Anpassung des Vertrages soll zudem die Delegation nichtärztlicher Aufgaben an die VERAH gestärkt werden. Durch ihre Weiterqualifikation können VERAH die Hausärzte bei ausgewählten Tätigkeiten unterstützen und somit entlasten. Typische Einsatzbereiche sind unter anderem Wund- und Praxismanagement, aber auch Hausbesuche, bei denen keine ärztliche Expertise notwendig ist. Im weiterentwickelten Vertrag wird der VERAH-Zuschlag von bisher 5,00 Euro auf 9,00 Euro angehoben.

 

Dr. Johannes Thormählen, Vorstand der GWQ ServicePlus AG, sieht hierin ein deutliches Signal zur Stärkung der Hausarztpraxis: „Bereits jetzt werden Ärzte mit stets zunehmenden Herausforderungen in ihrem Behandlungsalltag konfrontiert. Neben der steigenden Zahl multimorbider Patienten sollen sie immer mehr Zeit für eine zunehmende Patientenzahl aufbringen. Qualifiziertes, speziell auf die Bedürfnisse der Hausarztpraxis geschultes Personal ist daher umso wichtiger. Der Hausarzt kann nichtärztliche Aufgaben an die Versorgungsassistentin (VERAH) delegieren und wird so entlastet.“

 

Quelle:  sgp

 


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