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04.04.2019

Bürger sehen das Gesundheitssystem kritischer

Das „PwC-Healthcare-Barometer 2019“ zeigt, dass die Deutschen ihre Gesundheitsversorgung zunehmend kritischer betrachten. Sie vergleichen weltweit – und da gibt es ernst zu nehmende Konkurrenz.


„Deutschland hat noch immer eine medizinische Versorgung auf sehr hohem Niveau“, sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PricewaterhouseCoopers (PwC). Doch andere Länder haben die Bundesrepublik schlichtweg überholt. Und das merken offenbar auch die Deutschen: Nur noch 55 Prozent zählen dem „Healthcare-Barometer 2019“ zufolge das heimische Gesundheitssystem zu den drei besten der Welt. Vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 64 Prozent, vor einem Jahr immerhin noch bei 59 Prozent. Gerade bei der Altersgruppe der älteren Menschen über 55 Jahre, die naturgemäß häufiger in medizinischer Behandlung sind, ist dieser Zustimmungswert 2018 gegenüber dem Vorjahr erkennbar gesunken, von 59 auf 53 Prozent.

 

Klare Unzufriedenheit äußern die Versicherten mit der Behandlung bei niedergelassenen Ärzten: Vier von zehn Deutschen bemängeln, dass ihr Arzt sich zu wenig Zeit für sie nimmt. Ein weiterer Grund für Unzufriedenheit sind die Öffnungszeiten der Praxen, die den eigenen Bedürfnissen nicht entsprechen. Der Wunsch nach Flexibilität hat zugenommen. Darum bevorzugen viele den Weg zur Krankenhausambulanz. Denn weitgehend zufrieden sind Versicherte in Deutschland mit der stationären Versorgung in Krankenhäusern, die mehr als jeder zweite Bundesbürger als gut oder sehr gut einschätzt.

 

Das wird nur teilweise bestätigt durch eine von der AOK in Auftrag gegebene aktuelle forsa-Umfrage mit rund 2.000 Befragten. Danach ist unter allen Infrastruktureinrichtungen den Deutschen die Gesundheitsversorgung am wichtigsten. So liegt die Verfügbarkeit von Hausärzten in der Bedeutung mit 95 Prozent ganz vorn, noch vor Einkaufsmöglichkeiten (93 Prozent) und Internet (90 Prozent). Danach folgen Krankenhäuser (87 Prozent) und Öffentlicher Nahverkehr (83 Prozent). Dies gilt sowohl für Städter als auch für die Landbevölkerung. Deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land offenbaren sich aber bei der Zufriedenheit. So sind Einwohner ländlicher Regionen deutlich unzufriedener mit dem Öffentlichen Nahverkehr und der Internetversorgung, aber auch mit dem Angebot an Krankhäusern und Fachärzten. Eine Verschlechterung der Versorgung mit Haus- und Fachärzten sowie Krankenhäusern nehmen vor allem Befragte kleinerer und mittlerer Städte häufiger wahr.

 

Auch bestätigt die Umfrage, dass die Bevölkerung offen ist gegenüber innovativen Versorgungsformen. Angebote wie die mit Ärzten abgestimmte Betreuung durch speziell qualifizierte medizinische Fachkräfte oder mobile Arztpraxen erreichen mit Zustimmungswerten von 91 beziehungsweise 82 Prozent eine hohe Akzeptanz. Auch die Nutzung von Videosprechstunden kann sich schon jeder Zweite vorstellen. Die Umfrage zeigt darüber hinaus, dass entsprechende Lösungen von der Bevölkerung nicht nur akzeptiert werden, sondern dass die Menschen sie von ihrer Krankenkasse erwarten.

 

Quellen:  sgp, ES


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