News
und
Wissenswertes

22.01.2018

Barmer-Chef befürchtet Kassen-Pleiten

Unser Gesundheitssystem hat zweifellos eine ganze Reihe von Problemen, die es wert wären, dass sich die Spitzenfunktionäre des Systems damit befassen und sich dazu äußern. Ein Kassensterben, also die Insolvenz einer gesetzlichen Krankenkasse, gehört aktuell sicher nicht dazu – in einer Zeit, wo die GKV kaum noch weiß, wie sie ihre geradezu maßlosen Überschüsse legal unterbringen soll. Gleichwohl ist sich Dr. Christoph Straub, Chef der Barmer-GEK, nicht zu schade dafür, ein solches Kassensterben in einem Presseinterview an die Wand zu malen.


„Das Finanzierungssystem der gesetzlichen Krankenversicherung befindet sich in einer deutlichen Schieflage“, wird Barmer-Chef Christoph Straub zitiert, „eine solche Entwicklung könnte in der laufenden Legislaturperiode eintreten.“

 

Im Gegensatz dazu geht es den gesetzlichen Krankenkassen gerade richtig gut. Zum Ende der ersten drei Quartale hatten Kassen und Gesundheitsfonds Reserven von 24 Milliarden Euro. Auch den durchschnittlichen Zusatzbeitrag hatte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gerade für 2018 um 0,1 Punkte auf 1 Prozent gesenkt.

 

Tatsächlich zielt der Barmer Chef mit seinem Vorstoß auf die sehr unterschiedliche Verteilung der Überschüsse bei den verschiedenen Krankenkassenarten: „Im Jahr 2016 betrug das Vermögen bei uns 135 Euro pro Mitglied, bei anderen ist es nur halb so viel, bei Ortskrankenkassen sind das aber teils 1200 Euro und mehr.“ Nur die aktuelle gute Konjunktur verschleiere das Risiko, dass Rücklagen ärmere Krankenkassen schnell in einer Abwärtsspirale geraten könnten. Das Problem, kommt Straub zu seinem Kernanliegen, sei der ungerechte Finanzausgleich zwischen den Kassen: „Während die AOKen deutlich mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds bekommen, als sie zur Deckung der Kernleistungen brauchen, gibt es bei allen anderen Kassenarten eine Unterdeckung in unterschiedlichem Ausmaß.“ Die öffentliche Drohung mit dem Kassensterben sollte also offensichtlich der schleppenden Diskussion um eine Reform des Morbi-RSA Nachdruck verleihen.

 

Im Oktober hatten Wissenschaftler bereits eine Reform des Finanzausgleichs vorgeschlagen. Eine politische Entscheidung darüber ist aktuell noch nicht absehbar, erst soll es 2018 noch ein Gutachten geben. Die zur Zeit begünstigten AOK-Kassen spielen auf Zeit – ebenso wie die Parteien mit der Bildung einer neuen Regierung. Es kann also noch dauern.

 

Quelle:  HB, TG, ES


E-Mail Xing Kununu Facebook Youtube LinkedIn Google+