News
und
Wissenswertes

04.06.2019

Apotheker wollen größeren Ausbau von Dienstleistungen

Auf dem 56. DAV-Wirtschaftsforum am 8. Mai machten die Standesvertreter der Apotheker klar, dass ein Ausbau der pharmazeutischen Dienstleistungen nicht mit den geplanten 150 Million Euro zu bewerkstelligen sei. Sie fordern mehr als das Doppelte. Der DAV-Vorsitzende äußerte zudem, dass es wohl keine vollständige Gleichpreisigkeit geben werde. Und: Es gibt jetzt eine DAV-Patienten-App.


„Wenn führende Gesundheitspolitiker das im Koalitionsvertrag genannte Versandhandelsverbot nicht mit vollem Herzen unterstützen könnten oder wollten, wer hätte es dann engagiert im Gesetzgebungsverfahren bzw. letztendlich im nächsten Verfahren vor dem EuGH verteidigt?“, fragte Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands, in seinem politischen Lagebericht. „Und dass der federführende, neu ernannte Bundesgesundheitsminister kein Versandhandelsverbot wollte, war schnell klar“, so der DAV-Vorsitzende weiter. Das sei eine bittere Erkenntnis gewesen.

Die Apothekerschaft hätte gegen massiven Widerstand weiter ein Verbot des Versandhandels einfordern können, aber das wäre aus Beckers Sicht ein aussichtloser Weg gewesen. Deshalb habe sich die Vertretung des Berufsstandes sich darauf fokussiert, mit dem Bundesgesundheitsminister an Gleichpreisigkeit und dem Einstieg in die honorierten pharmazeutischen Dienstleistungen zu arbeiten. Spahns jahrelanges Eintreten für gesondert entgoltene pharmazeutische Dienstleistungen der Apotheken verleihe seinen entsprechenden Aussagen hohe Glaubwürdigkeit, so Becker.

 


Der vorliegende Gesetzentwurf (GSVOA) bedürfe an der einen oder anderen Stelle der Nachjustierung. „Ein besonders wichtiger Punkt hierbei ist die vorgesehene Streichung der Regelung zur Einheitlichkeit der Preise in § 78 Absatz 1 Satz 4 AMG (Gültigkeit der Arzneimittelpreisverordnung auch für Importarzneimittel), die wir klar ablehnen. Man kann dabei kritisch hinterfragen, ob die im Gesetzentwurf genannten Ansätze zur Stärkung der Einheitlichkeit der Apothekenabgabepreise so wirksam sind, wie es ein Versandhandelsverbot wäre, auch wenn die AMG-Regelung beibehalten wird. Die ehrliche Antwort lautet: Nein. Aber was hilft uns diese Erkenntnis? Auch Standespolitik ist die Kunst des Möglichen", so Becker.


„Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Bindung an die Arzneimittelpreisverordnung als Teil des Rahmenvertrages Einzug ins SGB V erhält." Für Becker bedeutet dies nicht nur, dass ausländische Versandapotheken gesetzlich Versicherten keine Boni gewähren dürfen, sondern es sei auch „ein deutliches Bekenntnis zum Solidar- und Sachleistungsprinzip“ der GKV. Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass der aktuelle Entwurf eine vollständige Rückkehr zur Gleichpreisigkeit nicht vorsehe. Würden Selbstzahler oder Privatversicherte verschreibungspflichtige Arzneimittel aus dem Ausland beziehen, seien einheitliche Preise nicht gewährleistet, auch, wenn der verpflichtende Ausweis von Vorteilen gegenüber den Kostenträgern für mehr Transparenz sorgen sollte.


„Sollte die Regelung vom EuGH angegangen werden, dann haben wir alle Chancen auf eine vehemente Verteidigung durch Bundesregierung und Bundestag", so Becker weiter. Denn wer selbst innerhalb der GKV einheitliche Arzneimittelpreise in Frage stelle, stelle auch die solidarische Krankenversicherung in Frage und damit die nationale Zuständigkeit für die Gesundheitsversorgung. Parteiübergreifend sei in der deutschen Politik eine deutliche Bereitschaft erkennbar, diese rote Linie zu verteidigen. Der beschriebene Weg sichere den Apotheken auch die Sprachfähigkeit gegenüber der Gesundheitspolitik, so Becker, denn wer sich auf ein Thema versteife, der verpasse den Anschluss nur zu leicht.

 


Die Apothekerschaft habe sich in den letzten Jahren neu positioniert und die heilberufliche Perspektive deutlich stärker in den Fokus gerückt. Das umfasse auch die Zusammenarbeit mit den Ärzten. Nun ergebe sich zum ersten Mal die Möglichkeit, intensiviert pharmazeutische Dienstleistungen honoriert und erstattungsfähig ohne die zwingende Verbindung zur Abgabe eines Arzneimittels anbieten zu können – ein Großprojekt für Kammern und Verbände. Damit dies gelingen könne, müsse der Weg ohne Wenn und Aber vom Berufsstand nach vorheriger gesetzgeberischer Flankierung getragen werden. Mehrleistung gehe aber nicht zum Nulltarif, so Becker weiter. Die im GSVOA genannten 120 Millionen Euro netto würden den Spielraum jedoch begrenzen. „Den Großteil der Ideen werden wir mit dieser Summe nicht umsetzen können. Die Summe muss deutlich erhöht werden und mit einer Dynamisierungsklausel versehen werden. Zudem müssen Dienstleistungsentgelte, wie bei anderen Heilberufen, von der Mehrwertsteuer befreit werden“, forderte Becker. Eine schrittweise Einführung mit verantwortungsvoller Begleitung, so Becker, habe auch einen anderen positiven Effekt: Es erhöhe die Attraktivität der Berufe. Vor allem bei den PTAs könnten hier Akzente gesetzt werden. Ein Scheitern der Umsetzung sei keine Option.


Dass das Finanzvolumen nicht zu klein gedacht werden dürfe, betonte auch Claudia Korf, Geschäftsführerin Ökonomie der ABDA. Eine Berechnung der ABDA habe gezeigt, dass der Plan unter 360 Millionen Euro netto nicht umzusetzen sei. „Das ist kein Modell zum Kostensparen. Es ist ein Modell zum Optimieren der Versorgung“, so Korf. Als weitere Anforderungen an pharmazeutische Dienstleistungen nannte sie neben einer leichten und retax-sicheren Abrechenbarkeit auch kalkulierbare und dynamisierbare Budgets. Zudem dürften die Leistungen nicht einer Genehmigung durch den Arzt oder die Kasse bedürfen.

 

Der DAV entwickelt derzeit eine Patienten-App, mit der Patienten eRezepte kostenfrei, einfach und sicher verwalten können sollen. Die Anwendung stehe allen deutschen Apotheken offen. „Das Rezept bleibt in Patientenhand und der Patient bestimmt, ob und wo es eingelöst wird.“ Geplant seien Zusatzfunktionen wie Hinweise über Ablaufdatum und Einnahmeerinnerung, führte Becker aus. Über die Anwendung sollen Patienten auch direkt mit der Apotheke kommunizieren und beispielsweise nachfragen können, ob ein Arzneimittel vorrätig ist. Nur wenn möglichst alle Apotheken hinter dem Projekt stehen, werde es zum Erfolg.

 

Quellen:  DAV, sgp


E-Mail Xing Kununu Facebook Youtube LinkedIn Google+