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30.10.2017

Hausärzte fordern Respekt und Förderung

Zum 39. Deutschen Hausärztetages hat sich der Deutsche Hausärzteverband klar positioniert: Pro hausärztlicher Kompetenzen. Ein Leitantrag der Delegiertenversammlung des Deutschen Hausärzteverbandes ruft die Selbstverwaltung, Politik und Krankenkassen einstimmig dazu auf, Versuche zu stoppen, Hausärzte in ihren Kompetenzen einzuschränken.


Als Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes signalisiert Ulrich Weigeldt einen Widerstand gegen die Versuche, „den Hausarztberuf auszuhöhlen“. Weigeldt kritisiert, dass es offenbar unter einzelnen Interessensvertretern zum guten Ton gehöre, die hausärztlichen Qualifikationen kleinzureden. In einem Statement betont er: „Es ist schon erstaunlich: Auf der einen Seite sollen Hausärzte in Bereichen wie der Geriatrie oder der Palliativversorgung gezwungen werden, ständig neue, teilweise komplett unsinnige Zusatzqualifikationen zu erwerben und das, obwohl sie die notwendigen Kompetenzen durch ihre fünfjährige Weiterbildung längst erworben haben. Auf der anderen Seite sollen dann aber wieder Gebietsfachärzte Teile der hausärztlichen Versorgung übernehmen, ohne dafür in irgendeiner Weise qualifiziert zu sein. Ich kann nur davor warnen, die Komplexität der Aufgaben, mit denen sich Hausärzte in der Primärversorgung jeden Tag auseinandersetzen müssen, zu unterschätzen. Die Verlierer werden die Patienten sein.“

 

Der Hausärzteverband warnt davor, dass das Kleinreden hausärztlicher Kompetenzen fatale Auswirkungen auf die hausärztliche Nachwuchssicherung haben könnte. Dies konterkariere die Anstrengungen der letzten Jahre, mehr junge Menschen für den Hausarztberuf zu begeistern. „Für eine gute und flächendeckende Versorgung der Menschen brauchen wir eine starke hausärztliche Primärversorgung. Die Politik hat daher in den vergangenen Jahren eine Reihe von Gesetzen auf den Weg gebracht, mit dem Ziel, den Hausarztberuf noch attraktiver zu machen. Wenn junge Menschen dann auf der anderen Seite den Eindruck vermittelt bekommen, dass die hausärztlichen Kompetenzen infrage gestellt werden, dann führt das die Anstrengungen ad absurdum“, so Weigeldt weiter. „Schließlich brauchen wir hausärztlichen Nachwuchs, um unsere Praxen weitergeben zu können.“ Während in der Bevölkerung die Anerkennung für die Hausärzte seit jeher extrem hoch sei, müssten jetzt auch die Selbstverwaltung und die Kassen endlich mitziehen. Der Appell: „Alle Akteure sind dazu aufgerufen, gemeinschaftlich für eine Stärkung der Allgemeinmedizin und des Hausarztberufes zu arbeiten.“

 

Dr. Jens Lassen, Arzt in Weiterbildung in Schleswig-Holstein und Mitglied im Forum Weiterbildung des Deutschen Hausärzteverbandes, kritisiert, dass die Antwort auf die Nachwuchsproblematik im hausärztlichen Bereich nicht sein könne, dass immer mehr Aufgabenbereiche aus der hausärztlichen Arbeit herausgelöst werden. „Damit erreicht man genau das Gegenteil, nämlich, dass der Beruf für junge Menschen unattraktiver wird. Gerade die Breite des Fachs ist einer der wichtigsten Gründe, Hausarzt zu werden“, so Lassen. „Wir wollen für unsere Patienten ganzheitlich da sein.“ Er fordert mehr Praxisbezug im Medizinstudium, um sicherzustellen, dass Medizinstudierende sich selbst einen Eindruck über die hausärztliche Arbeit verschaffen können.

 

Quelle: Vincentz Network Berlin


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