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01.08.2017

KBV: Den Sicherstellungsauftrag neu interpretieren

„Lange Zeit war es ein klarer Grundsatz der Politik, das Motto ‚Ambulant vor Stationär‘ zu verfolgen. Doch von diesem richtigen Weg ist sie abgekommen“, so Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), am 19.Mai in Berlin.


Sein Vorstandskollege Dr. Stephan Hofmeister sagte: „Viele wissen nicht, unter welch schwierigen Rahmenbedingungen und mit wie viel Kreativität die KVen diese ambulante Versorgung sicherstellen. Das werden wir erklären – und zwar bundesweit allen Bürgern.“ Die „Wir arbeiten für Ihr Leben gern“-Kampagne gibt es seit dem Jahr 2013. Dieses Jahr sei sie aufgrund der Bundestagswahl politischer.


„Die Vertragsärzteschaft fängt sich derzeit eine Menge Schelte ein und muss sich gegen die Behauptung zur Wehr setzen, dass wir unsere Patienten im Stich ließen, wenn sie außerhalb der Sprechstunden eine dringende Behandlung benötigen. Das ist blanker Unsinn“, so Hofmeister. Beim Sicherstellungsauftrag werde es immer Optimierungsbedarf geben. Am Montag werde der KBV-Vertreterversammlung in Freiburg im Vorfeld des Deutschen Ärztetages das weiterentwickelte Programm KBV 2020 vorgestellt und gemeinsam mit der Versammlung Forderungen formuliert, so Gassen. „Wir interpretieren den Sicherstellungsauftrag an manchen Stellen vielleicht neu“, kündigte Gassen an. Über das Thema will die KBV mit der Politik auf dem Sicherstellungskongress am 27. und 28. Juni in Berlin diskutieren.


Die Steuerung des Bürgers ohne die Politik sei unmöglich. Die Abklärungspauschale von 4,74 Euro würde seitens der Deutschen Krankenhausgesellschaft „zur Angstmacherei“ genutzt. „Patienten, die in der Notaufnahme ankommen und anschließend dort bleiben, werden über DRGs abgerechnet. Die 4,74 Euro gibt es zusätzlich“, so Hofmeister weiter.


Hofmeister kündigte zudem an, dass der Bereitschaftsdienst an die geänderte Inanspruchnahme durch die Patienten angepasst werden müsste. Die Nummer des Bereitschaftsdienstes 116 117 sei 2016 rund 6,2 Millionen Mal angerufen worden, so Dr. Thomas Kriedel, dritter KBV-Vorstand. Perspektivisch sei diese als europäische Rufnummer angelegt. Für die Kosten käme das KV-System ganz alleine auf. Die Nummer des Bereitschaftsdienstes könnte, wie in anderen Ländern auch, so weiterentwickelt werden, dass über das Telefon nicht nur eine Triage, sondern in leichten Fällen auch eine erste Behandlung angeboten werde. Die KBV prüfe derzeit, ob sich dieses Modell auch für Deutschland eigne. Dem stehe zwar noch das Fernbehandlungsverbot im Wege, aber diese müsse ja nicht in Stein gemeißelt bleiben. Ein System der Telefontriage funktioniere in der Schweiz seit Jahren, ohne dass es einen Prozess gegeben habe. Brustschmerzen zum Beispiel, so Hofmeister, würden sich sehr gut mit einem Fragenkatalog einschätzen lassen. Eine geschulte, qualifizierte Person würde am Telefon sitzen und mit Fragekatalogen eine Einschätzung erstellen. Die Person könnte ein Arzt oder auch ein geschulter Rettungsassistent sein. Der KBV-Vorstand ist auf Nachfrage überzeugt, dass es keine Personalprobleme bei der Besetzung der Telefonstellen gebe. „Nach drei Tagen Rettungsdienst können zwei Tage Telefondienst vielleicht auch ganz entspannend sein“, so Gassen. Hofmeister ergänzte: „So macht es die Feuerwehr auch.“ Der Telefondienst sei ja auch anders als das klassische Callcenter organisierbar.

 

 

Quelle: Vincentz Network Berlin


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